Neufassung des Positionspapiers zur Prävention von computerspiel- und internetbezogener Störung des Fachverbandes Medienabhängigkeit e.V.

PRESSEMITTEILUNG vom 1.12.2020

 

Dieses Jahr hat coronabedingt medial viele Neuerungen mit sich gebracht und viele bestehende Techniken selbstverständlich werden lassen. Homeschooling, Onlinemeetings, virtuelle Konferenzen, Videochats mit der Familie gehören mittlerweile zu unserem Sprachgebrauch und (Arbeits-)Alltag. Gleichzeitig steht die Anerkennung verschiedener Verhaltenssüchte, so auch der Computerspielsucht, als Krankheitsbild im ICD 11 durch die WHO bevor. Dies hat der Fachverband Medienabhängigkeit e.V. zum Anlass genommen sein Positionspapier Prävention zu überarbeiten und um aktuelle politische Forderungen zu ergänzen.

 

Die umfassende Ausdehnung der Nutzungsmöglichkeiten des Internets ist gerade in Zeiten von Kontaktbeschränkungen ein Zugewinn in vielen Lebensbereichen. Auch wenn der Internetgebrauch bei der Mehrheit der Nutzenden keine gesundheitlichen Probleme erzeugt, sind aktuell bei einem zu hohen Bevölkerungsanteil problematische bis hin zu suchtartige Nutzungsmuster feststellbar. Andererseits muss eine genaue Definition einer sogenannten internetbezogenen Störung und insbesondere einer Abgrenzung von einer lediglich intensiven Nutzung getroffen werden. Gerade in der Covid-Pandemie hat dies dazu geführt, dass Verhaltenssüchte insgesamt durch den Wegfall bzw. der Einschränkung terrestrischer Angebote und Aktivitäten, der sozialen Isolation und der erzwungenen Inaktivität sowie des Bedeutungsgewinns von Onlineangeboten deutlich zugenommen haben (vgl. Rumpf et al., 2020; Bilke-Hentsch et al., 2020).

 

Aufgrund der vermehrten, aktuell notwendigen, Verlagerung des Freizeit- und Berufslebens ins Digitale ist es wichtig, diesen Bereich in den Fokus zu nehmen und Menschen frühzeitig dabei zu stärken, ihre digitale Balance zwischen ON und OFF zu erkennen oder diese wieder zu erlernen. Durch eine flächendeckende professionelle Präventionsarbeit muss sichergestellt werden, dass alles getan wird, damit die Nutzung der digitalen Medien ein Zugewinn für die Gesellschaft sowie jeden Einzelnen bleibt und die Risiken und möglichen negativen Gesundheitsfolgen so gering wie möglich gehalten werden. Verschiedene Forschergruppen weisen inzwischen darauf hin, dass es eine dringende Notwendigkeit für Verhaltens- und Verhältnisprävention gibt, damit den sich entwickelnden problematischen Nutzungsmustern frühzeitig vorgebeugt wird.

 

Wir freuen uns daher, Ihnen hiermit das aktualisierte Positionspapier zur Prävention von computerspiel- und internetbezogener Störung des Fachverbandes Medienabhängigkeit e.V. vorstellen zu können. Alle Inhalte erläutern wir gerne auch im persönlichen Gespräch.


Dr. Kai W. Müller
1. Vorsitzender des Fachverband Medienabhängigkeit e.V.

 

Kristin Schneider, Diplom Sozialarbeiterin, Lost in Space, Caritas Berlin
Andreas Pauly, Diplom Sozialpädagoge, update Fachstelle f. Suchtprävention, Caritas u. Diakonie Bonn, Vertreter der AG Prävention des Fachverband Medienabhängigkeit e.V.

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Computerspielsucht als Erkrankung durch die WHO anerkannt!

Das neue ICD-11 wurde nun verabschiedet und tritt 2022 in Kraft

 

(Hannover, 23.5.2019) Auf ihrer 72. Weltgesundheitsversammlung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die bereits im Sommer 2018 vorgestellten Vorschläge abgestimmt und das neue ICD-11 verabschiedet. Es wird im Jahr 2022 in Kraft treten. Dies bedeutet auch, dass Computerspielsucht (als „Gaming Disorder“) nun tatsächlich als diagnostizierbares Störungsbild und somit als Erkrankung anerkannt ist. Das ist in erster Linie ein großer Erfolg für Betroffene und deren Angehörige, für die hiermit eine Grundlage zur besseren Versorgung geschaffen wurde. Auch für Behandelnde bietet die nun mögliche Diagnose eine Form der Handlungssicherheit – erstens sind nun definierte diagnostische Kriterien verfügbar, zweitens wissen Behandelnde nun, dass sie Computerspielsucht auch offiziell behandeln dürfen und nicht länger nach Querfinanzierungen suchen müssen.

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Darf Werbung das? Heranwachsende mit psychosozialen Problemen als Zielgruppe – Mit seiner neusten Kampagne spricht League of Legends gezielt Außenseiter an

Stellungnahme des Fachverband Medienabhängigkeit e.V. als offener Brief zur League of Legends YouTube-Werbung

 

(Hannover, 15.2.2019) League of Legends, eines der bekanntesten und erfolgreichsten Free-to-Play Computerspiele (Altersfreigabe ab 12), wird seit 2018 auf YouTube mit Comicvideos beworben, die zielgruppenaffin Jugendliche zum Spiel einladen. In den Videos verbreitete Botschaften wie z.B. „Du hast kein Leben, gib deinem Leben einen Sinn“ stellen aus Sicht des Fachverband Medienabhängigkeit ein sehr kritisches Produktversprechen dar sowie eine gezielt auf etwaige Defizite ausgerichtete Kommunikation, die mit einer Gefährdung des Kindes- und Jugendschutzes einhergeht. Des Weiteren weist der Fachverband auf die mutmaßlich unrechtmäßige Verwendung von konkreten Kaufappellen gegenüber Minderjährigen hin und damit auf einen Verstoß gegen § 3 Abs. 3 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb).

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Gemeinsame Erklärung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) und des Fachverbands Medienabhängigkeit e.V. (FV Medienabhängigkeit e.V.)

Ergebnis des Diskurses zum offenen Brief an die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen

 

(Berlin, 26.09.2018) Vorstandsmitglieder des FV Medienabhängigkeit e.V. und der DHS haben sich am 26. September 2018 in Berlin über den Stand der Diskussion im Bereich „Internetbezogener Störungen“ ausgetauscht. Dabei wurde deutlich, dass ein ergebnisoffener und betroffenenorientierter Diskurs erforderlich ist, der ohne dogmatisch gesetzte Positionen die mit der Thematik befassten Fach- und Spitzenverbände sowie Institutionen der Versorgung einbezieht. Die DHS bietet dazu die nötige Plattform, da in ihr die meisten im Aufgabenfeld tätigen Träger und Einrichtungen organisiert sind. Ziel ist, in einen Dialog einzutreten und die offenen Fragen, unter Einbeziehung wissenschaftlicher Expertisen, gemeinsam zu diskutieren. Dazu wird zeitnah eine Arbeitsgruppe aus den Verbänden gebildet, zu der auch externe Experten eingeladen werden.

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Wegschauen und Kleinreden löst keine Probleme! Problematische Internetnutzung braucht einen offenen Diskurs

Ein offener Brief an die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen

 

(Hannover, 17.09.2018) Als Mitglied der DHS möchte der Fachverband Medienabhängigkeit e.V. – vertreten durch seinen Vorstand – die jüngst von der DHS veröffentlichte Stellungnahme „Mediennutzung: Stigmatisierung und Pathologisierung auffälligen Verhaltens“ aufgreifen und mit diesem offenen Brief den gesamten Vorstand und die dahinterstehenden Verbände in der DHS ansprechen und fragen: Spiegelt diese Stellungnahme tatsächlich die Meinung aller Engagierten in der DHS wieder?

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